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UNTERSCHICHTENREPORT 1

Mittagszeit im St. Oberholz.

Längst ist die "Gaststätte", wie sie sich selber nennt, kein Geheimtipp mehr. Direkt am Rosenthaler-Platz gelegen, erstreckt sie sich über zwei Etagen und liegt auf "blutig" historischem Grund. Hier hofften schon viele auf das Glück der Selbständigen. Und versenkten ihr Vermögen in der Rosenthaler Vorstadt(Berlin).

Lange stand der Laden deshalb leer, bis der Zeitgeist endlich dort seine Heimstatt fand. Um 1900 erbaut, wurde das Gebäude von den Gebrüder Aschinger als neunte Bierquelle genutzt. Eine Tradition, der sich die Sankt Oberholzer irgendwie verpflichtet fühlen. Nur das mit der Bierquelle passt dann doch nicht zum gängigen Mainstream. Bier gibt es hier zwar auch, vor allem aber Bionade, Fritz-Limonde, Tee mit frischer Minze und anderen Schnickschnack. Täglich wechseln die Gerichte und Suppen. Milchfladen, Ökotoasts, Bagels und anderes Zeitgeistgebäck wandert über den Tresen, an die vornehmlich junge Kundschaft.

Frische Säfte, gezapftes Bier und ein Internetzugang über freies WLAN, lockt besonders den Apple-Adel an die Stehtische. Windows-Proleten werden links liegengelassen. Es ist ein FestOrt der Jungen und Kreativen oder zumindest derjenigen, die sich dafür halten.

Kaum zeigt die Sonne erstes Bemühen, da räumt das ansonsten eher träge Personal, Sitzmöbel auf den Bürgersteig. Hier sitzt man viel, hier sitzt man gern. Da stört es den Kaffeegenuß überhaupt nicht, dass es stinkt, knallt und scheppert was das Zeug hält. Von Dreck und Staub einmal ganz zu schweigen. Aber die Kreuzung Rosenthaler/Torstraße in Berlin-Mitte, ist so ziemlich das Hässlichste, was sich diese Stadt leistet. Kein Baum, kein Strauch und wenig freundliche Farbe, dafür Brandmauern, Baustellen und eine Ansammlung von fettig stinkenden Bretterbuden, die sich Markt nennen.

Fast Food-Freunde und Döner-Gourmets kommen hier voll auf ihre Kosten. Frittenbude reiht sich an DönerCenter, Sushi wird am liebsten zu Pasta serviert und eine Chinesin hat einen Türken geheiratet oder umgekehrt, so genau hat sich das noch nicht durchgetrascht.
Wer die Kalorien wieder loswerden muss, hat die Wahl zwischen den FitnessCenter rechts an der Torstraße oder dem Beate-Uhse-Shop links auf der Bernauer. Mir ist Beate-Uhse lieber, da wird mehr gelacht.

Ein knappes Stündchen bin ich nun schon im Unterholz. Mein Schreibblock, Stift und der schon längst kalte Kaffee fallen unangenehm auf. Ich zünde mir eine spanische Zigarre an, billig und von hervorragendem Gestank und freue mich über die giftigen Blicke der Öko-Nichtraucher-Nichttrinker-und-Spaßlos-Fraktion. Prima Siesta.

25.10.06 13:42
 


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